Inhalte und Ziele

Die Aufnahme neu angekommener SchülerInnen in das (Pflicht-)Schul- und Bildungssystem stellt für alle beteiligten AkteurInnen (geflüchtete SchülerInnen und deren Eltern bzw. Familien, MitschülerInnen und deren Eltern, LehrerInnen, Direktion und Administration, Landes- bzw. Stadtschulrat) eine große Herausforderung dar. Im neuen Zertifikatskurs werden LehrerInnen mit Fluchthintergrund dazu ausgebildet, sich diesen Herausforderungen zu widmen: Personen, die bereits im Herkunftsland als LehrerInnen gearbeitet haben, werden für den Einsatz in österreichischen Schulen der Sekundar- und/oder der Oberstufe nachqualifiziert. Ihre Tätigkeit in Schulen kann die Kommunikation z.B. mit Eltern, aber auch mit SchülerInnen erleichtern. Der zunehmenden Heterogenität von SchülerInnen und Klassenzusammensetzungen wird auf diese Weise entgegen gekommen.

Für die Lehrpersonen selbst wird der Einstieg in den fachspezifischen Arbeitsmarkt erleichtert: Sie können, sofern Bedarf seitens der Schulen besteht, nach Abschluss des Zertifikatskurses in den bereits studierten Fächern mittels Sondervertrag unterrichten. Dies wird vor allem für Mangelfächer der Fall sein. Der Abschluss eines regulären Dienstvertrages als LehrerIn ist insofern nicht möglich, als die meisten Personen der Zielgruppe in den Herkunftsländern nur ein Unterrichtsfach studiert haben. Für den Schuldienst in der Sekundar- und Oberstufe in Österreich sind jedoch zwei Unterrichtsfächer vorzuweisen. Nach Abschluss des Kurses kann jedoch problemlos ein zweites Unterrichtsfach nachstudiert werden. Die bereits im Zertifikatskurs erworbenen „allgemeinen bildungswissenschaftlichen Grundlagen“ werden hierfür vollständig angerechnet.

In die Entwicklung des Zertifikatskurses wurden drei geflüchtete Lehrpersonen im Sinne partizipativer Forschung eingebunden. Das Projekt ist durch seine gesamte Anlage richtungsweisend hinsichtlich der Integration von Menschen mit Fluchthintergrund in den Arbeitsmarkt. Zusätzlich wurde der Wiener Stadtschulrat von Beginn an in die Entwicklung des Kurses eingebunden, sodass Bedarfe seitens der Schulen bzw. Schulbehörden durchgängig mitbedacht werden konnten.

Inhalte

Der Zertifikatskurs orientiert sich an den "Allgemeinen bildungswissenschaftlichen Grundlagen", die in allen Lehramtsstudien der Universität Wien vorgesehen sind. Für die Zielgruppe des Zertifikatskurses werden spezifische Inhalte jedoch vertieft behandelt. Zusätzlich zu den theoretischen Inhalten absolvieren die KursteilnehmerInnen fortlaufende (und theoretisch begleitete) Praktika an Pflichtschulen und Allgemeinbildenden Höheren Schulen, um so einen tiefgreifenden Einblick in die Unterrichtspraxis in Österreich gewinnen zu können. Das Curriculum des Zertifikatskurses ist unter "Downloads" aufrufbar.

Kooperationspartner

 

Finanziert wird der Zertifikatskurs vom Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres (BMEIA). Die Bezahlung der Mentor*innen erfolgt durch das EU Projekt CORE. Weiters werden die Raumkosten zu einem Großteil vom Projekt CORE finanziert. Es bestehen enge Kooperationen zwischen dem Stadtschulrat für Wien, dem AMS Wien, dem AMS Niederösterreich und dem AMS Burgenland.