Fachgespräch "Professionalisierung in der sozialen Altenarbeit"

Impulsvortrag von Professor Kolland. Foto: OBDS

Am 19. Jänner 2015 fand im Seminarzentrum des OBDS – Österreichischer Berufsverband der SozialarbeiterInnen das Fachgespräch „Wohnen und soziale Arbeit mit älteren Menschen“ als gemeinsame Veranstaltung des OBDS und des Postgraduate Center der Universität Wien statt.

Gesprächspartner waren Dr. Franz Kolland, Professor am Institut für Soziologie und wissenschaftlicher Leiter des Masterprogramms "Gerontologie und soziale Innovation" der Universität Wien, DSA Eva Krenn-Steurer und Sabine Kröll, BA, Fachexpertinnen des OBDS und Sozialarbeiterinnen im Haus der Barmherzigkeit.

Nach der Begrüßung durch DSA Olga Zechner, stv. Vorsitzende des OBDS, führte Professor Franz Kolland in seinem Impulsreferat „Innovative Wohnformen im Alter“ kurz in das Themenfeld ein. Kolland konstatierte die gegenwärtig in der Gesellschaft dominierende Jugendorientiertheit. Angesichts der Babyboomer, die heute etwa 45-65 Jahre alt sind, in wenigen Jahren aus dem aktiven Erwerbsleben austreten und in einer alternden Gesellschaft leben werden, wünscht sich Kolland eine Gesellschaft, die das Alter akzeptiert. Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, was Altern und Alter überhaupt sind. Derzeit ist der Begriff Alter weitestgehend mit Defiziten besetzt. Es herrsche geradezu eine Gerontophobie.

In Bezug auf das Wohnen im Alter merkte Kolland an, dass das Wohnen im Alter gelernt werden muss und Adaptionen des Wohnraumes rechtzeitig erfolgen müssen. Dies insbesondere deshalb, weil der alte Mensch sehr viel Zeit zu Hause verbringt. Aufgrund des Sinkens der Kompetenz des alten Menschen ist die Umwelt dazu aufgerufen, nachzuarbeiten.

Kolland brachte Beispiele aus den USA, Großbritannien und den Niederlanden für Versuche, den geänderten (Wohn)Bedürfnissen älterer Menschen gerecht zu werden.

Insgesamt stellt das Wohnen im Alter einige Herausforderungen, die mit Punkten wie passiver Wohnraumexpansion, kompetenter Wohnberatung und zielgruppenorientierten Angeboten einhergeht.

Ein Tipp von Kolland für erfolgreiches Altern: Behalten Sie den Humor bei!

Im Anschluss stellten die Sozialarbeiterinnen Sabina Kröll, BA, und DSA Eva Krenn-Steurer im Fachgespräch Ihre Einrichtung „Haus der Barmherzigkeit“ vor. Die Häuser sind in Stationen aufgeteilt und bieten auch Betreuung mit einem gerontopsychiatrischen Schwerpunkt. Auch jüngere Bewohner, meist mit multipler Sklerose finden in den HDB Betreuung. Diese wird immer an die persönliche Verfassung der BewohnerInnen angepasst und nach der Richtlinie „Hilfe zur Selbsthilfe“ erbracht, erklärt Krenn-Steurer. Es geht darum, die Selbstständigkeit und Selbstbestimmung zu fördern und auch ein Nein zu akzeptieren. In Bezug auf ältere Menschen ist in der Sozialarbeit insbesondere wichtig, eine Überforderung zu vermeiden und auf das Tempo zu achten. Veränderungen brauchen eben mehr Zeit.

Ganz konkret, so schilderte Kröll, unterstützen die SozialarbeiterInnen in den HDB die BewohnerInnen bei der Bestellung von gesetzlichen Vertretern und Sachwaltern, der Patientenverfügung, der Zusammenarbeit mit Ämtern in Hinblick auf zB die Rezeptgebührbefreiung, die Regelung der Finanzen ganz allgemein und das Lösen von aktuell auftretenden Problemen. Ein wichtiger Tätigkeitsbereich ist auch das Entlassungsmanagement. Hier wird geholfen, eine passende Wohnform zu finden.

Im Sinne eines breiten Gesprächs wurde auch den zahlreich anwesenden Besuchern Gelegenheit gegeben, sich in die Diskussion einzubringen. In den Wortmeldungen wurde die fehlende Zeit für die umfassende Betreuung thematisiert, weitere Beispiele aus anderen Ländern gebracht, in denen Case und Care Management praktiziert werden, dass leider in manchen Bereichen die Achtung vor den Bedürfnissen der alten Menschen fehlt und auch die Bewertung in Geld im Rahmen der Sozialwirtschaft oft zu Schwierigkeiten führt. Nicht zuletzt wurden auch der Aspekt der Menschenrechte und insbesondere deren Beachtung aus dem Publikum eingebracht.

Bei einem kleinen Buffet klang der Abend bei weiteren Gesprächen aus.

Einladung und Programm der Veranstaltung zum Nachlesen