Vorträge und Workshops

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Vortrag Thomas Moser: Effizientes Lernen. Psychomotorischer Hintergrund

In diesem Vortrag diskutiere ich den Zusammenhang von Motorik, verstanden als sowohl individuelles motorisches Funktionsniveau als auch die Bedingungen für körperliche Entfaltung in Spiel und anderen Formen von Bewegungshandlungen und dem psychosozialen Lernen in der frühen Kindheit. Dabei gehe ich von einem Körperlichkeitsverständnis aus das sowohl den Eigenwert von Körper und Bewegung als auch den Nutzen für andere Lern- und Entwicklungsbereiche im Sinne eines mehr instrumentellen Verständnisses akzeptiert.

Der Hinweis auf die Bedeutung der Körperlichkeit von Kindern für Lernprozesse und Ihre ganzheitliche psychosoziale Entwicklung sowie eine ganzheitliche Annäherung an das Phänomen Körperlichkeit hat in der Psychomotorik lange Tradition. Dennoch erscheint es auch heute noch angebracht, mit Hilfe von analytischem und eher partikulärem Wissen zu einer Evidenzbasis beizutragen, die den Bedarf und den Nutzen körper- und bewegungsfreundlicher Rahmenbedingungen in pädagogischen Einrichtungen unterstreicht.

Ich werde auf der Grundlage internationaler Forschungsliteratur zu zeigen versuchen, dass psychosoziale Effekte unterschiedlicher Aspekte von Körperlichkeit auch im frühkindlichen Bereich gut dokumentiert sind.

Vortrag Klaus Fischer: Lernen als Erkundungsaktivität

Der Begriff der Erkundungsaktivität versteht sich als Schlüsselbegriff, der das Grundverständnis des psychomotorischen Handelns erschließt. Erkunden ist Tätigkeits- und Wahrnehmungsakt in unauflöslicher Einheit. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Bedeutungsimplikationen des Begriffs Erkundungsaktivität und beschreibt Konsequenzen für Lern- und Entwicklungsprozesse. Dabei wird Bezug genommen zu neueren kognitions- und neurowissenschaftlichen Erkenntnissen sowie zur Übergangsthematik von der vorschulischen zur schulischen Erziehung.

Vortrag: Josef Voglsinger - Bewegtes Lernen - Bewegtes Denken

In einer sich verändernden Gesellschaft werden Kinder mit veränderten Lebens- und Erfahrungswelten konfrontiert, konstruieren sich darin ihre Wirklichkeiten und stoßen dabei nicht selten auf Unverständnis. Die Psychomotorik kann einen wesentlichen Beitrag leisten, eingeschränkte Wahrnehmungs- und Bewegungsmöglichkeiten, die häufig die Ursachen von Lernschwierigkeiten, Körperkoordinationsstörungen, Ängsten, Verhaltensauffälligkeiten u. a. sind, zu kompensieren und damit individuelle Probleme einzelner Kinder zu minimieren.

Unter der Prämisse eines ganzheitlichen Menschenbildes wird in diesem Kurzvortrag der Begriff „Bewegung“ mehrdimensional definiert. Daraus wird das Konzept Bewegungsraum-Erfahrungsraum-Lernraum abgeleitet und beispielhaft gezeigt, dass Lernen ausschließlich über einen Austausch des Organismus mit seiner Umwelt erfolgt und Lernprozesse immer auch Entwicklungsprozesse sind.

Konkrete Beispiele aus der psychomotorischen Praxis sollen unterstreichen, dass es viele Möglichkeiten der Gestaltung von Bewegungsräumen gibt und somit auch viele Wege, den Kindern zu helfen, sich aktiv, kreativ und ihren individuellen Möglichkeiten entsprechend zu betätigen. Das ist gleichzeitig die Basis zur Anbahnung integrativer Denkprozesse. Lernen in diesem umfassend, ganzheitlich verstandenem Sinne beschränkt sich demnach nicht auf Instrumentalisierung und Reproduktion sondern Lernen wird zu einem aktiven, konstruktiven, selbst gesteuerten, emotional motivierten, kreativen und kommunikativen Prozess.

Workshop: Irmgard Bankl - Rhythmik und Sprache

Rhythmik – Musik und Bewegung beleben die Sinne ...

Lebendiges Lernen durch Musik – Bewegung – Sprache

Rhythmik spricht alle Sinne an, sensibilisiert die Körperwahrnehmung, fördert sensomotorische und musikalische Fähigkeiten und weckt das schöpferische Potential. Experimentierphasen bieten Raum für Fantasie und Kreativität, die vielgestaltigen Spielsituationen ermöglichen soziales Lernen. Die Kombination der Mittel Musik und Bewegung bringt wertvolle Lernprozesse in Gang, die Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein und die individuelle Ausdruckskraft haben. Damit bietet die Rhythmik ein ganzheitliches Konzept für die pädagogische Praxis an.

Workshop: Armin Baumgartner - Bewegungslandschaften

In dem Workshop geht es um einen soliden Einstieg in das Feld, den Turnsaal als kreative Bewegungslandschaft abseits klassischer, sportlicher Nutzung kennen zu lernen.

Um dieses Feld selbst zu erfahren, werden einige Bewegungsstationen, entsprechend psychomotorischen Ansätzen aufgebaut sein, die zum Ausprobieren oder Zusehen einladen.

In weiterer Folge geht es um den Bau solcher Bewegungselemente und einer diesbezüglichen kritischen Auseinandersetzung mit der Sicherheit dieser Bauten. Die TeilnehmerInnen sind nach Anleitung herzlich zum Aufbau diverser Bewegungselemente eingeladen, um damit erste oder detailliertere Erfahrungen zu machen. Aufbau von Turngerät und dessen Erweiterung, auch durch Sondermaterial, sowie diverse hilfreiche Knoten werden im Workshop besprochen und ausprobiert.

Alles überspannend liegt, neben psychomotorischer Wirksamkeit, das Augenmerk auf Sicherheit der „Spielenden“, gesetzlichen Bestimmungen und Herstellerangaben.

Workshop: Karin Brünner/Valerie Huber - Psychomotorik im Wasser

„Auf Tauchstation”

Das Medium Wasser bietet für die Psychomotorik vielfältige Möglichkeiten der ganzheitlichen Förderung und des Lernens. Folgende Fähigkeiten werden erworben: Ich-Kompetenz: Auftrieb, Widerstand, das Wasser spüren und am eigenen Körper erfahren. Handlungs-Kompetenz: Verschiedenste Materialien (Schwungtuch, Heulrohre, Luftballons, Korken, Schwämme, usw.) im Wasser erproben und damit experimentieren. Sozial-Kompetenz: Gemeinsam mit anderen Hindernisse bewältigen, Abenteuer bestehen, dabei aufeinander Acht geben und zusammen Lösungswege finden.

Vielfältige Erlebnisangebote im Wasser fördern in jedem Entwicklungsalter die motorischen Fähigkeiten, regen die Kreativität an, bieten vielfältige Sinnesangebote und führen zu einer Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung.

Die TeilnehmerInnen dieses Workshops dürfen selber "auf Tauchstation gehen" und mit Piraten und Meerjungfrauen Abenteuer im Wasser erproben. Der Workshop findet im Hallenbad des Universitätssportzentrums statt - Badesachen mitnehmen

Workshop: Klaus Fischer - Lernen als Erkundungsaktivität

Neugier und Aktivität sind Basisfaktoren kindlicher Erkenntnis- und Lernprozesse. Dabei stellen gegenständliche (materiale) und räumliche Aspekte Bedingungen für positive Erfahrungen dar. Der Workshop thematisiert den besonderen Appellcharakter von Räumen und geht in Arbeitsgruppen der Frage nach, wie Lern- und Erfahrungsräume gestaltet sein müssen, um die Erkundungsaktivitäten von Kindern zu begünstigen.

Workshop: Wilhelm Gansch - Effizientes Lernen durch die Feldenkrais-Methode

In meiner Arbeit gehe ich einen Weg, die Persönlichkeit des Menschen vom Körper und seinen energetischen Prozessen her erfahrbar und verstehbar zu machen.

Der Ausgangspunkt ist immer ein Bewegungsablauf in einem Körperbereich. Die Bewegungen werden in kleinen und sanften Schritten gemacht. Das bewirkt, dass die Empfindungen klarer und deutlicher werden und so immer mehr die Gestaltung des Prozesses übernehmen können.

Da Körper und Seele unterscheidbar aber nicht trennbar sind, lösen diese körperlichen Vorgänge viele Erfahrungen und Fragen aus, welche die Gesamtpersönlichkeit betreffen. Einige Beispiele:

  • Warum bewirkt eine vollere Atmung eine andere Erlebnisqualität im Kontakt mit anderen Menschen?
  • Warum stehe ich jetzt besser am Boden und was hat der Bodenkontakt mit meiner emotionalen Stabilität zu tun?
  • Warum hat sich durch die Arbeit mein seelisches und körperliches Ausdrucksbedürfnis verändert?

In meinem Workshop versuche ich durch einen konkreten Arbeitsprozess einen Einblick in meine Arbeit zu geben.

Workshop: Horst Göbel - Abenteuer Airtramp

Haifischmaul und Fliegenklatsche - Psychomotorik-Abenteuer mit einem Airtramp in Förderung, Therapie und Schulsport

Nach jahrzehntelanger klinischer Erfahrung und Entwicklungsarbeit steht hier ein Airtramp der Größe 8m x14m x1,35m für die aktive Auseinandersetzung mit diesem spannenden Medium zur Verfügung. Anhand von Selbsterfahrungen werden Entspannung, Förderung der visuellen Wahrnehmung und Feinmotorik, vor allem aber auch Spiel, Kampf, Wagnis, Angst, Befreiung thematisiert. Erfahrungen aus der psychomotorischen Therapie und aus einem Projekt mit mehr als einem Dutzend Schulen werden mitgeteilt, z.B.: „kein Kind bleibt zurück!“ Neue Wege für die multidimensionale Bewegungsförderung in Schulsport, Fördergruppen, und Therapie werden damit aufgezeigt.

Workshopteilnehmer/innen können sich um die Teilnahme an einem Airtramp-Projekt an ihrer Einrichtung bewerben.

Workshop: Anna Kapfer-Weixlbaumer - Psychomotorische Frühförderung

Wie Bewegung die Sprache in Gang setzt und Sprache in Bewegung kommt

Unser Bildungssystem vernachlässigt das Wissen aus körperlicher Erfahrung zunehmend zugunsten des abstrakten Wissens. Dabei hat schon Jean Piaget, der bekannte Kognitionsforscher, nachgewiesen, dass Kinder ihre Erkenntnisse durch Handlungen erwerben. Intelligenz ist also zuerst Handlungsintelligenz, erst in der Folge entwickelt sich daraus das begriffliche und kognitive Begreifen. Begreifen ist demnach buchstäblich „Handwerk“. Schon frühere Generationen wussten intuitiv um die Bedeutung der sinnlich-tätigen Welterfahrung für das Sprechenlernen. So erstaunt es nicht, dass es in allen Kulturen bewegte Spiele in Kombination mit Sprache gibt, die mehr sind als eben nur Zeitvertreib und alte Tradition.

Der Workshop bietet Gelegenheit zum „Begreifen“ wie durch Bewegung Vorstellungsbilder entwickelt werden und diese die Sprache in Gang setzen.

Workshop: Claude Katkhouda - Fallbeispiel einer sensorischen Integrationsstörung

Hinter vielen psychiatrischen Verdachtsdiagnosen verbirgt sich nicht selten eine Abweichung in der sensorischen Integration, die oftmals in ihrer vollen psychosozialen Dimension zum Tragen kommt und seitens des unmittelbaren Lebensumfeldes des Kindes zu Fehlinterpretationen seines Verhaltens  und unangemessenen erzieherischen und manchmal auch therapeutischen Konsequenzen führt.

Im Workshop soll anhand eines Fallbeispiels die Schnittstelle zwischen psychologischer Diagnostik und motorischer Entwicklungsförderung und die Wichtigkeit der Bewegung und Körperwahrnehmung für die kindliche Entwicklung dargestellt werden.

Workshop: Ulrich Pammer - Teamarbeit, Konfliktfähigkeit und Regelverständnis

Im Workshop werden Übungen und Spiele gezeigt, die darauf abzielen, soziale Kompetenzen spielerisch zu erwerben. Dazu werden Methoden aus der Psychomotorik und der Erlebnispädagogik ausprobiert und besprochen, sowie die Abgrenzung zwischen beiden Fachgebieten skizziert. Einerseits wird erlebt und reflektiert, in welcher Weise die Aktivitäten wirken, andererseits werden praktische Inputs mitgegeben, die von den Teilnehmer/inne/n selber angewandt werden können.

Im ersten Teil des Workshops soll auf die Entwicklungsthemen Vertrauen, Autonomie, Initiative und Kompetenz eingegangen werden. Dazu wird versucht theoretische Grundlagen aus der Entwicklungstheorie nach Erik Erikson mit Hilfe kleiner Übungen und Spiele erfahrbar zu machen. Im zweiten Teil soll noch Zeit für einen Ideenaustausch sein. Spiele oder Übungen zu Themen wie Entspannung, Anspannung, Kooperation, sollen gemeinsam in Kleingruppen entwickelt werden.

Workshop: Josef Voglsinger - Der geschickte Ritter. Ein Fallbeispiel

Das Empfinden, nicht gehört, nicht verstanden zu werden, das Erleben, mit den anderen Kindern motorisch nicht mithalten zu können, lösen nicht nur Unsicherheit, Ängste oder innere Unruhe aus, sondern mitunter auch starke Aggressionen. Diese zeigen sich oft durch niedrige Frustrationstoleranz, lautes Auf-Sich-Aufmerksam-Machen, sowie und Zorn- und Wutausbrüche, die zu Konflikten mit Eltern, Geschwistern und in der Kindergartengruppe führen.

In diesem Workshop möchte ich an einem Fallbeispiel zeigen, wo die psychomotorische Förderung ansetzt und wie in diesem Fall im Einzelsetting unter Einbeziehung der Eltern mit einem 5-jährigen Buben gearbeitet werden kann.

Eine kurze Videosequenz des Erstkontakts unterstützt die anamnestischen Ausführungen und macht deutlich, wie wichtig es ist, in einer dialogischen Beziehungsgestaltung den Sinn von konkreten Verhaltensweisen zu verstehen um damit Zugang und Einblick in die Lebensgeschichte des Kindes zu erhalten. Die erste Begegnung, ein diagnostischer Moment, ist somit der Beginn eines Kommunikationsprozesses, in dem versucht werden muss, sich im Dialog den Bedürfnissen des anderen zu nähern. Gelingt es, das Kind anzunehmen wie es ist, ihm spüren zu lassen, dass seine persönlichen Unsicherheiten, Sorgen und Ängste ernst genommen und verstanden werden, eröffnet sich ein „Bewegungsraum“. In diesem initiierten, räumlich-atmosphärischen Rahmen, diesem geschützten Erfahrungs- und Lernraum kann die Erprobung neuer Handlungsstrategien und Lösungsmöglichkeiten angeregt werden.

An Hand von Fotos und Zeichnungen wird versucht, den Einblick in den Therapieprozess zu vertiefen und Statements der Mutter aus den begleitenden Beratungs- und Reflexionsgesprächen zeigen die kontinuierliche Entwicklung.