Podiumsdiskussion "Akademisierung der Psychotherapie"

Am Montag, dem 29. Juni 2015 fand der dritte HOPP-Alumni Abend zum Thema "Akademisierung der Psychotherapie" statt. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion diskutierten hochkarätige Gäste die aktuelle Thematik: Prof. Wilfried Datler (Uni Wien), Prof. Michael Kierein (BMG), Prof. Anton Leitner (DUK) sowie Prof. Alfred Pritz (SFU). Unter der Moderation und Leitung von Mag. Hedwig Wölfl wurden verschiedene relevante Fragestellungen angesprochen: Trägt die Akademisierung zur Qualitätssicherung bei? Wie wurde diese seit dem Psychotherapiegesetz von 1990 in Ausbildung und Praxis umgesetzt? Was bringt das neue Psychotherapiegesetz für die Akademisierung? Wird es den einen Weg der Akademisierung geben oder soll eine Mehrzahl an möglichen Wegen offengehalten werden? Ist ein Regelstudium für die Psychotherapie Ausbildung für die Zukunft eine realistische Option?

 

Prof. Datler (Uni Wien) sprach sich für eine Verschränkung von praktischer Fähigkeit und wissenschaftlicher Perspektive auf Alltagsphänomene aus - unter Vorrang der praktischen Versorgung - und plädierte gemeinsam mit Prof. Kierein für eine Vielheit an Wegen einer Akademisierung von Psychotherapie. Auch Prof. Leitner (DUK) hielt eine Akademisierung unter dem Motto einer "Versorgung nach bestimmten Kriterien" hoch. Er argumentierte für eine Beibehaltung der Vielfalt der Psychotherapiemethoden und für universitäre Kooperationen mit bestehenden Ausbildungseinrichtungen. Ein Desiderat für kommende Entwicklungen stellt für ihn die Reform der Ausbildung in punkto Abschlussverfahren, Kompetenzprofil und einer adaptierten Clusterbildung dar. Prof. Pritz (SFU) hielt ein Plädoyer dafür, die Psychotherapie nicht als Zusatzqualifikation ("Second Profession"), sondern als Basisberuf ("First Profesion") anzusehen. Zudem beschrieb er, wie seine Universität (SFU) das Ziel verfolgt, Psychotherapie als akademisches Fach zu konzipieren und darin auch ein "europäisches Projekt" zu verfolgen.

 

Abschließend gab Prof. Kierein (BMG) unter dem Motto "Evolution statt Revolution" einen Ausblick auf die künftige Entwicklung des rechtlichen Rahmens der Psychotherapie (Stichwort: Novellierung des Psychotherapie-Gesetzes). Diskutiert wurden hierbei vor allem das Thema Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung in der Zukunft sowie das Ziel einer stärkeren Anerkennung des Berufes innerhalb der Gesundheitsberufe.