Vortrag: "Verfehlung der psychotherapeutischen Berufspflichten", 03.06.2016, 18:00

Am 5. Alumni-Abend unseres Universitätslehrganges hielt am 03.06.2016 Frau Dr. Susanne Weiss vom BMG einen Vortrag zum Thema "Verletzungen der Berufspflichten von PsychotherapeutInnen". Anliegen, die nicht im Rahmen der Landesverbände für Psychotherapie gelöst werden können oder die schwerwiegende Berufspflichtverletzungen nahelegen, werden an das BMG weitergeleitet bzw. direkt bei diesem eingebracht.

Das BMG hat hierbei verschiedene Möglichkeiten, die von Maßnahmen der Wiederherstellung der Vertrauenswürdigkeit (etwa durch Selbsterfahrung, Supervision, Reflexionsarbeit, Entschuldigung) bishin zu einem Verwaltungsverfahren zur Streichung aus der PsychotherapeutInnen-Liste reichen. Im Vergleich ist das PschologInnen-Gesetz von 2013 in Punkto Berufspflichtverletzung sehr vorbildlich, weil es solche Fälle bereits ausdrücklich regelt. Hier wird bereits gesetzlich definiert, unter welchen Bedingungen die Vertrauenswürdigkeit einer von der Liste gestrichenen PsychologIn erfüllt werden müssen, um wieder dem Beruf der PsychologIn nachgehen zu können.

Frau Weiss bot eine Statistik über Berufsverfehlungen in den Jahren 2014/15. Diese reichten von fehlenden bzw. falschen Honorarnoten, Ferndiagnosen, Verletzungen der Verschwiegenheitspflicht über Missbrauch des Abhängigkeitsverhältnisses, Vermischung von Religion und Esoterik, unethischen Grenzüberschreibungen bishin zu sexuellen Beziehungen, laufenden Gerichtsverfahren oder dem Suizid von PatientInnen. Allgemein ließ sich die Tendenz beschreiben, dass vor allem ältere PsychotherapeutInnen, vor allem jene aus der Übergangszeit der 1990er Jahre die gravierenderen Vergehen zu verantworten haben. Frau Weiss schilderte einige Einzelfällen, deren Berufsverfehlungen ebenso schockierend wie haarsträubend sind.