Tag 4, Teil 1 - 10. Mai 2018

Alpinarium Galtür

Erstellt von Dieter Horn und Hans-Dieter Perner

Der nächste Teil der Exkursion führte uns weit in das Paznauntal, in das auf knapp 1500 Meter Seehöhe liegende Dorf Galtür. Die Ortschaft, die im Jahre 1146 erstmals urkundlich erwähnt wurde, erlangte vor allem durch die Lawinenkatastrophe im Jahr 1999 überregionale Bekanntheit. Bei diesem Ereignis wurden 52 Personen verschüttet, davon konnten 31 Personen leider nur mehr tot geborgen werden.

Bei unserer Anreise am Vorabend und der Übernachtung im „Hotel Toni“ konnten wir uns bereits einen ersten Eindruck von den geographischen Gegebenheiten und den vielen Lawinenschutzbauten in Galtür machen.

In der 345 Meter langen und 19 Meter hohen Lawinenschutzmauer, die nach der Lawinenkatastrophe von 1999 errichtet wurde, stellt das Alpinarium Galtür einen zentralen Bestandteil dar: Hier wurde ein völlig neuer Weg gegangen. Nirgendwo sonst wird das Verhältnis zwischen Mensch und Hochgebirge so eindrucksvoll vermittelt. Neben Lawinenschutzmauer, Museum und Veranstaltungsort dient das Alpinarium auch als Gedenkstätte und Ort der Dokumentation für das Lawinenunglück von 1999.

Der Bürgermeister von Galtür, Landtagsvizepräsident Anton Mattle, empfängt uns sehr herzlich im Alpinarium. Er bringt uns bei einer Führung durch die Ausstellung „Ganz oben – Geschichten über Galtür und die Welt" die Geschichte des Dorfes und die Verbindung der Menschen zum Lebensraum der Alpen näher. Eine Besonderheit des Lebens im hochalpinen Raum stellt der Umgang mit den allzeit präsenten Naturgefahren dar. Stolz verweist Bürgermeister Mattle auf die vielen freundschaftlichen Beziehungen in das In- und Ausland, die die Gemeinde Galtür - auch durch den hohen Tourismus - pflegt.

 

 

In einem sehr bewegenden Vortrag schilderte Anton Mattle uns die Ereignisse vom Februar 1999 aus persönlicher Sicht. Die zentralen Elemente seiner Erzählung erstreckten sich über die Zeit in den Tagen vor der Katastrophe, seine Erlebnisse und Eindrücke am Tag des Lawinenabganges und die vielen Tage intensiver persönlicher Belastung auch noch lange danach. Immer wieder betonte er die Wichtigkeit der Kommunikation mit der Bevölkerung und den Gästen Galtürs über den gesamten Zeitraum bis in die Gegenwart.

Bei der anschließenden Wanderung zu den Lawinenverbauungen des Adamsberges auf einer Seehöhe von ca. 2000 Metern gerieten wir ganz schön außer Atem. Aus dieser Höhe bot sich ein weitläufiger Blick über das Tal. Dadurch konnten wir den Einfluss der hochalpinen Naturgefahren auf die Raumordnung erkennen. Murkegel, Levees und Spuren von Lawinen des vergangenen Winters konnten wir deutlich im Gelände identifizieren.

Unzählige Lawinenverbauungen wurden zum Schutz der Bevölkerung im hochalpinen Gelände errichtet. Die Verantwortung für die Wartung der Lawinenverbauungen liegt jedoch bei den Gemeinden. Diese darf keinesfalls vernachlässigt werden, da bei dem Bruch einer Schutzeinrichtung die Gefahr von Kaskadeneffekten besteht und die Ereignisse ein vielfach größeres Schadensausmaß erreichen könnten. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Schutzbauten jährlich von Sachverständigern untersucht und geprüft werden.