HOPP-Alumni-Abend: "Männlichkeit im Zeitalter von #metoo und Feminismus"

Datum: Mi, 18.09.2019, 18:00-20:15
Ort: HOPP-Seminarraum 1 - Währingerstraße 63/17, 1090 Wien
Vortragende: Mag. Romeo Bissuti
Zur Anmeldung: Link

Im Rahmen unseres 11. Alumni-Abend unseres Universitätslehrganges am Mi, 18.09.2019, 18:00-20:15 hielt Mag. Romeo Bissuti, Leiter des Männergesundheitszentrums MEN, einen Vortrag zum Thema: Männlichkeit im Zeitalter von #metoo und Feminismus.

Vorstellungen von Mann-Sein und Männlichkeit sind aktuell wieder mehr in den Fokus gerückt. Anlass dazu sind Initiativen wie #meetoo oder feministische Diskurse, die etwa die toxische Männlichkeit zum Thema machen. Im Rahmen des Alumni Abends ging es darum, diese Entwicklungen aus Sicht der Männerberatung und Männerarbeit aufzugreifen, aktuelle Konzepte in der Männerforschung dazu vorzustellen und Ansätze für eine emanzipatorische Haltung in der psychotherapeutischen Tätigkeit mit Männern zu finden.

Wozu es Männerarbeit braucht, veranschaulichte der Vortragende entlang einer Aufgabe, die die TeilnehmerInnen selbst durchführen sollten: Welche Eigenschaft hat ein »Mann« in unseren Vorstellungen und welche haben Männer in unserer persönlichen Lebenswelt, mit denen wir positive Erfahrungen machten. Hieran zeigte sich bei allen TeilnehmerInnen eine Kluft zwischen Vorstellung und Erfahrung. Stereotype Männerbilder erzeugen einen »Druck zur Männlichkeit«, die von Dominanz, Stärke und Leistung geprägt ist, abgesichert durch soziale Strategien wie Konventionen, Sanktionierung und Privilegierung. Männliche Strategien, mit solchem Druck zurecht zu kommen, reichen von Verschwiegenheit, über emotionalen Rückzug, bis hin zu Kontrolle, Gewalt, Alkohol oder Spielsucht. Männerarbeit stellt die Frage, wie die Kluft zum persönlichen Erleben überwunden bzw. zwischen beiden Seiten vermittelt werden kann. 

In der Gegenwart lässt sich ein gesellschaftlicher Wandel auch empirisch beschreiben. Was »Mann-Sein« bedeutet, ist in keiner Weise einheitlich oder eindeutig. Quer durch alle Gesellschaftsschichten findet sich eine »bunte Landschaft«, eine Vielzahl unterschiedlicher Männerbilder mit verschiedenen Akzenten zwischen traditionell und konservativ. Auch eine positivere Haltung im Bemühen um Gleichstellung lässt sich empirisch nachweisen. Trotz dieser positiven Veränderungen werden moderne Männerbilder weiterhin herausgefordert durch gesellschaftliche Verhältnisse: Re-Traditionalisierungen finden mit der Familiengründung statt, insbesondere wenn Männer mehr Geld als Frauen verdienen, oder Frauen mit den inneren Bildern einer »Rabenmutter« kämpfen, wenn sie sich nicht um ihre Kinder kümmern. Auch bei partnerschaftlichen Konflikten führen Dynamiken wieder zurück zu traditionellen Männerbildern. Flankiert wird jenes durch einen konservativen Blacklash in der Gesellschaft. 

Das Ringen um eine moderne Männlichkeit, die sich in einer Fülle verschiedener gesellschaftlicher Praktiken institutionalisiert, bleibt weiterhin eine Aufgabe von Männerarbeit. Eine solche bemüht sich darum, 1) Unterschiede zwischen verschiedenen Männerbildern sichtbar zu machen, 2) die »psychischen Kosten« von einseitigen Männerbildern zu reflektieren und 3) auf soziale Privilegien von Männern aufmerksam zu machen. 

Zur Person: Mag. Romeo Bissuti

  • Klinischer und Gesundheitspsychologe
  • Psychotherapeut
  • Leiter des Männergesundheitszentrums MEN
  • Obmann White Ribbon Österreich