Homelearning im Universitätslehrgang

Seit dem 13. März (erster Unterrichtstag nach Bekanntgabe der Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus) finden sich Teilnehmer*innen und Lehrende des Universitätslehrgangs "Dolmetschen für Gerichte und Behörden" in virtuellen Räumen auf der Lernplattform Moodle zusammen, um etwas anders als bisher zu lernen und zu lehren. Alle Inhalte des Universitätslehrgangs "Dolmetschen für Gerichte und Behörden" wie beispielsweise Dolmetschen im Gesundheits- und Bildungswesen, Dolmetschen in Asylverfahren und Institutionelles Übersetzen wurden online umgesetzt und finden derzeit ausschließlich online statt.

Mag. Heide Maria Scheidl, wissenschaftliche Koordinatorin im Universitätslehrgang, geht auf Herausforderungen und Chancen im Homelearning ein:

Was hat gut funktioniert?

Gerade beim Unterricht im Übersetzen macht es bei manchen Aufgaben und Übungen keinen wesentlichen Unterschied, ob man sich im selben physischen Raum befindet oder im selben virtuellen Raum. Der Austausch von elektronischen Dateien für das gegenseitige Korrekturlesen von kurzen Übersetzungsübungen ist - wenn alle "elektronisch angeschlossen" sind - einfacher möglich.

Was hat nicht gut funktioniert?

Die unmittelbare Interaktion geht vielfach durch den virtuellen Unterricht verloren. Mimik, Gestik, Körpersprache sind nur gefiltert oder gar nicht wahrnehmbar. Die Wahrnehmung bezüglich der Aufmerksamkeit und Mitarbeit der (aus Interferenzgründen ohne Video und Mikro zugeschalteten) Zuhörer*innen und Teilnehmer*innen ist mitunter schwierig. Wir haben das meist so gelöst, dass 2-3 Teilnehmende als "Spiegel" der gesamten Gruppe für die Vortragenden mit Video und Mikro teilgenommen haben.

Gab es technische Herausforderungen?

Die größte Herausforderung bestand darin, das passende Tool für die jeweilige Gruppengröße und geplante Aktivität zu finden. In den ersten Online-Unterrichtseinheiten mussten wir öfter im "Live-Betrieb" auf ein anderes Tool wechseln, viel technisches Learning by Doing. Probleme gab's bei den ersten Online-Unterrichtseinheiten regelmäßig bei Studierenden, da sie keine ausreichend gute Internetverbindung hatten oder sonstige technische Parameter nicht gepasst haben.

Was konnte aus der Situation gelernt werden?

Die Präsenzeinheiten funktionieren besser, wenn der Unterricht gestrafft wird und durch mehr Pausen und interaktive Elemente oder eingestreute Rückfragen ans "Auditorium" die Aufmerksamkeit aufrechterhalten bzw. die Konzentrationsfähigkeit verbessert wird.

Was kann aus der Situation mitgenommen werden?

Manche Elemente könnten auch in Zukunft in Form asynchroner Inputs von den Lehrenden vorab bereitgestellt werden, sodass beim Live-Unterricht bereits eine fokussierte Diskussion oder ein nächster Schritt im Lernprozess möglich ist.

 

Lehrende Dipl. Dolm. Liese Katschinka über Herausforderungen und Chancen im Homelearning

Was hat gut funktioniert? 
BBB* funktioniert klaglos. Die Studierenden haben kooperativ mitgewirkt und sich gut zurechtgefunden.

Was hat nicht gut funktioniert? (Bzw. was funktioniert (nicht) gut?)
Der direkte Kontakt hat mir gefehlt und natürlich auch das persönliche Kennenlernen.
 
Technische Herausforderungen?

Ich würde noch gerne die Break-out Optionen** testen wollen.
Das gleichzeitige Verfolgen der Chat-Meldungen/Fragen während des Unterrichts ist manchmal etwas stressig. Eine allzu straffe Struktur (zuerst Vortrag, dann Fragen) möchte ich aber auch vermeiden, da spontane Fragen oft zu interessanten Diskussionen führen.
 
Was konnte aus der Situation gelernt werden? Was kann aus der Situation mitgenommen werden?

Für Dolmetschübungen mit einer großen Gruppe ist die virtuelle Sitzung eigentlich sehr geeignet. Es können alle Studierenden parallel mit einem stumm geschalteten Mikrofon laut sprechend dolmetschen. Man kann die Leistung als Vortragenden zwar nicht überprüfen, aber man merkt dann, wenn man die Studierenden einzeln aufruft und dolmetschen lässt, dass sie freier sprechen (so wie man ja auch beim Dolmetschen sich erst „warmreden“ muss).
Da ein Mikrofon verwendet wird, kann man aber nicht prüfen, ob mit ausreichender Lautstärke (ohne Mikrofon) und entsprechender Körperhaltung für einen Verhandlungssaal gesprochen wird. Man sieht auch nicht, wie der Dolmetschende notiert und kann auch nicht in die Notizen einsehen. Dazu braucht man die Live-Situation. Ich halte aber die virtuellen Sitzungen für eine gute Ergänzung, die man vor allem für die praktischen Dolmetschübungen beibehalten sollte.


*Big Blue Button, ein online Meeting- bzw. Classroom tool
** Breakout rooms = Kleingruppen in Tools wie Big Blue Button